Montag, 23. August 2010

Die Flucht...

Tja, die Flucht ist wirklich ein Ereigniss, was einem fürs ganze Leben prägt… Ich hatte von den Plänen meiner Eltern erst in letzter Minute erfahren, aus Sicherheits Gründen, ich war ja noch ein Kind, und Sie hatten Angst, wirklich sehr grosse Angst vor diesem Schritt. Es war ein grosses Risiko, und erst einmal angefangen, konnte man nicht mehr zurück…


Eine Scheiterung der Flucht, bedeutete im besten Falle, Gefängniss, aus politischen Gründen, also wirklich kein Zuckerschlecken, angeklagt als Vaterlands Verräter!, und im schlimmsten Fall… halt eine Kugel einfangen…


Also hatten meine Eltern Fluchthelfer bezahlt, was eigentlich keine einfache Bezahlung eines festen Wertes war, sondern es handelte sich um hohe Summen, wo die ganze Verwandschaft mit Geld hielf, die Fluchthelfer nahmen alles was irgendwie zu holen war, nutzten jede Gelegenheit aus, Druck zu machen, um mehr zu verdienen, somit was uns geblieben war, einmal die Flucht angetreten, war einfach nur die Kleidung, die wir an hatten, weiter nichts.

Ein Fluchthelfer holte uns Nachts von zuhause ab, so als ob nichts gewesen wäre, damit ja keine Nachbarn etwas merkten… deswegen hatten wir auch kein Gepäck, sondern wie gesagt nur unsere Kleidung.

Dieser Fluchthelfer, ein Rumäne, fuhr uns zu einem nahegelegenem Fischer Dorf, wo man uns in einem Zimmer versteckte, ein Bau, der nichts mit dem eigentlichen Haus des Fischers zu tun hatte, im Hof, ohne Fenster.

Wir waren nun am Ufer der Donau, und mussten warten, bis der Fischer in der Lage war, uns auf die andere Seite zu bringen, in einem kleinem Ruderboot.

Der Zeitpunkt der Überfahrt, hing von mehreren Faktoren ab, erstens, den Wetterbedingungen, die Donau ist kein kleiner Fluss, sondern mehrere hundert Meter breit, mit einer sehr starken Strömung, also wirklich keine einfache Überfahrt.

Zweitens, musste man aufpassen, dass nicht gerade eine Grenz Patrouille in der Nähe war, die Soldaten, die mit Hunden das Ufer ständing abliefen, hatten Befehl zu schiessen!

Und drittens, gerade weil die Donau sehr breit ist, konnte man die Überfahrt nur Nachts wagen, da tagsüber, man ja das Ruderboot von weitem sehen konnte, und wie bereits erwähnt, es bestand schiess Befehl.

Wir kamen wie bereits erwähnt Nachts in dem Fischer Dorf an, und warteten eine Ewigkeit in dem sehr kargem Zimmer, ohne Fenster. Sehr spät, fast schon zum Morgen hin, hatte der Fischer mit meinem Vater gesprochen, er konnte uns nicht hinüber fahren, da es zu stürmich war, und die Donau sehr gefährlich ist, also mussten wir auf die nächste Nacht warten, ohne irgendwelche geräusche zu machen, in der Hoffnung das uns keiner entdeckte, da man mit Sicherheit schon nach uns suchte.

Die Eltern sind nicht auf der Arbeit erschienen, und ich ebenfalls nicht in der Schule, zuhause war auch niemand, also ganz klarer Fall, könnte sich um eine Flucht handeln, und deswegen ohne Zweifel konnten wir auch nicht mehr zurück, und so tun als ob nichts gewesen sei, wenn der erste Schritt gemacht wurde, gab es eben kein Zurück mehr!

Das war einer der längsten Tage, schien nie vorbei zu gehen, ein ewiges Warten gegen die Angst. Jedesmal wenn Hunde in der Nähe bellten, sind meine Eltern zusammengezuckt, die Angst, dass es sich um Soldaten handeln konnte war unheimlich gross. Der Fischer brachte uns ein gekochtes Huhn, damit wir etwas zu essen hatten, jedoch hat Dieses keiner angerührt. Nicht das wir keinen Hunger hatten, jedoch es war wirklich schrecklich, einfach gekocht, ohne weiteres, und die Angst war nun wirklich nicht apetit fördernd. Zudem hatten wir November, und in diesem Teil der Erde wird es richtig kalt zu dieser Jahreszeit, ohne Heizung…

Am späten Nachmittag, kam der Fischer an, mit ein paar Kleidungsstücken, nicht um uns zu wärmen, nein, damit wir in der Abenddämmerung nicht von Nachbarn erkannt werden konnten, er brachte uns zum Ufer der Donau. Also hatten wir diese Kleidungsstücke zur Tarnung benutzt, um mit Ihm unerkannt bis ins Schilfige Donau Ufer zu gelangen, er brachte uns durch das Schilf bis zu einem Versteck, wo er uns wieder alleine liess, um das Boot zu holen.

Nun warteten wir wieder sehr lange, umzingelt von kniehohem Wasser, hoffend, dass der Fischer sein Wort einhält, welche Garantie hatten wir? Keine! Und wenn er einfach nicht wieder zurück käme? Was dann?

Plötzlich wurde diese schon fast unheimliche Stille von Hunde Gebäll zerissen, wir konnten sehr deutlich unterscheiden, dass es sich um mehrere Hunde handelte, und zwar sehr nahe, das Gebäll kam standing näher. Was tun? Weg laufen? Wohinn? Uns blieb nichts anderes übrig, als uns so klein wie möglich zu machen, eng zusammen zu rücken, und abzuwarten. Meine Mutter, mein Vater, meine Schwester (4 Jahre alt!) und ich. Einfach hoffen, beten!
Aus dem nichts tauchte der Fischer wieder auf, und beruhigte uns, die Hunde hatten einen Igel verfolgt, also keine Soldaten.

Es war schon dunkel, als er uns in seinem Ruderboot hinein legte, ja liegen, und die Netze über Uns, ruderte er richtung anderes Ufer. Das Boot schaukelte wie eine kleine Nussschale, und die Angst wurde immer grösser, ja nur mein Vater konnte wirklich schwimmen, also das Boot schaukelte immer mehr, es gab keine Schwimmwesten, und das Wasser schwappte standing über Uns ins Boot, die Zeit verging einfach nicht, und dass andere Ufer, wo heute Serbien ist, was damals Yugoslawien hiess, kam einfach nicht näher, nein, wir wurden von der Strömung erfasst und Fluss abwärts getrieben.

Der Fischer war schon am Ende seiner Kräfte, als er schreiend meinen Vater rufte, damit Dieser Ihm beim Rudern half, es ging nicht mehr anders, mein Vater musste unter den Netzen vortauchen, um dem Fischer zu helfen… und nach ewig langem Kampf, kamen wir schliesslich ans andere Ufer an, die Flucht war dabei noch lange nicht geschafft, nein, Sie hatte lediglich angefangen, wir waren in Jugoslawien ja nicht sicher, sondern mussten nach Österreich!

Der Fischer brachte uns im dunkeln bis in der nähe eines Bauernhofes, zeigte auf das Haus, und erklärte, dass wir mit der Frau sprechen sollten, Sie würde uns weiter helfen, jedoch Vorsicht, wenn wir von der falschen Person gesehen wurden, wäre alles vorbei… und anschliessend wünschte Er uns viel Glück, und lief zu seinem Boot zurück!

Ja, da waren wir nun, durchnässt, im kalten November, nachts, im Gebüsch, zwei Erwachsene und zwei Kinder, und beobachteten das Haus. Nach einer Weile tauchte die Ansprechs Person auf, und mein Vater holte allen Mut, stand auf, und ging auf die Person zu, ohne Sprachkenntnisse (jugoslawisch), versuchte er verzweifelt sich zu verständigen, mit der ständing begleitenden Angst…


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